Wissenswertes über Punk in Ostdeutschland

IMG_7106-620x314Mit der Band AG Freizeit und anderen erlebte der Punk nach der Wende etwas mehr Öffentlichkeit, weil man keine Verfolgung mehr zu fürchten hatte. Aber auch während die SED den Osten Deutschlands im Griff hatte, gab es einen kleine Punkszene. Die ersten Gruppen hatten sich in den 80re Jahren gegründet, vor allem in Berlin, Erfurt, Leipzig und Dresden. Punk kam aus dem Westen, vor allem über Radios die auf Mittelwelle sendeten, in den Osten. Der RIAS und die BBC spielten dabei eine große Rolle, und gerade die englischen Radiosendungen sorgten für große Aufmerksamkeit bei Jugendlichen. Bald fanden sich Gruppen von Jugendlichen zusammen, die gemeinsam Punk Musik hörten und Bier tranken. Da dass nicht wirklich dem sozialistischen Ideal entsprach, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, zunächst mit Bürgern (und wahrscheinlich auch Stasi-Spitzeln), dann auch mit der Staatsgewalt. Als Reaktion entstand eine Art Ehrenkodex: Wenn ein Punk verprügelt wurde, eskalierte die Gewalt umso mehr. Damals kamen auch die ersten Skinheads auf, die gemeinsam mit den Punks die Hippies drangsalierten. Zwar wurden Punks in den frühen 80ern dann weniger gewalttätig, da sie aber mittlerweile überall waren, begann der Staat mehr Interesse zu zeigen. Bald war jede Punkband mit Informellen Mitarbeitern unterwandert. Ab 1986 entspannte sich die Lage dann, Punk wurde zumindest geduldet und Bands konnten beginnen, Konzerte zu spielen und sogar Platten zu veröffentlichen. Lediglich radikale Punks wurden noch verfolgt. Als die DDR sich ihrem Ende zuneigte, zählte das MfS noch 599 in Ostdeutschland.

Nach der Wende fiel die Punkszene in die Bedeutungslosigkeit ab, zum einen durch aggressive neue Feinde, die Skinheads und Neonazis, zum anderen aber weil Punks sich genau diesen anschlossen und damit vom einen Extremen ins andere fielen. Bekannte bands waren Zwitschermaschine und Schleim-Keim sowie Namenlos und Wutanfall. Gruppen wie AG Freizeit kamen erst nach der Jahrtausendwende auf. Nach wie vor gibt es eine kleine Punkszene, die meisten Musiker sind aber in Berlin und Dresden ansässig.

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